Neurologe Heinz im DGF: Die Suchtkranken sind der Preis, den wir dafür bezahlen, dass wir Nikotin und Alkohol genießen können.

DGF Der Talk zum Thema Sucht
Hamburg, 30. Mai 2008 Letztendlich sind die Suchtkranken der Preis, den wir dafür bezahlen, dass wir Nikotin und Alkohol genießen können. Deswegen sollten wir den Menschen, die mit diesen Substanzen Schwierigkeiten bekommen, helfen, fordert Professor Dr. Andreas Heinz im Deutschen Gesundheitsfernsehen. Der Suchtforscher ist Leiter der Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. In der Sendung DGF Der Talk spricht er mit Moderatorin Desirée Bethge über Sucht und Therapiemöglichkeiten.
Man geht davon aus, dass in Deutschland über zehn Millionen Menschen nikotinabhängig sind. Bei Alkohol sind es zwei bis drei Millionen Abhängige, so Heinz. Die Zahlen würden sich jedoch zu einem großen Teil überlappen: In Deutschland gibt es ganz wenige Raucher, die nicht auch exzessiv Alkohol trinken und umgekehrt, sagt der Experte. Die Gründe dafür, dass jemand süchtig wird, sind vielfältig. Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse spielen eine große Rolle. Wenn man eine Substanz leicht verfügbar macht, wird viel konsumiert und es werden auch viele Menschen abhängig siehe Nikotin und Alkohol, erklärt Heinz. Letztendlich kann jeder süchtig werden, sagt er. Etwa die Hälfte des Risikos wird durch Gene beeinflusst, die andere durch Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Stress.
Eine Sucht ist eine Krankheit, hält Heinz fest und erklärt, dass in der Berliner Charité pro Jahr circa fünf- bis sechshundert Abhängige behandelt werden. Das Problem dabei sei jedoch die starke Reglementierung der stationären Behandlungsmöglichkeiten. Die Kassen zahlen im Augenblick nur die akute Entgiftung, beklagt der Suchtforscher. Es habe aber wenig Sinn, die Leute erst zu entgiften und sie dann alleine zu lassen. Psychologische Hilfe sei direkt im Anschluss notwendig, um Rückfälle zu vermeiden, meint Heinz.